STROKE Selected

Die Künstler APHE (Oliver Hollatz) und NOAH (Noah Kauertz) lernten sich während ihres Kunststudiums in Bonn kennen. Ihr gemeinsames Interesse an Kunst im öffentlichen Raum, sowie die Leidenschaft für Malerei führten zur ersten Zusammenarbeit in Form einer Fassadengestaltung im Jahr 2019. Im selben Jahr entstanden vier weitere Wandmalereien, welche die Zusammenarbeit der Künstler in Bezug auf Farbe, Stil und Sujet maßgeblich prägten. Ihre dialogische Malerei bewegt sich fließend zwischen Darstellung und Abstraktion und wird stark von einer stimmungsvollen Farbästhetik beeinflusst.

Als wir vor ein paar Jahren das erste Mal die Werke von Laura H. Rubin sahen, waren wir fasziniert und verstört zugleich. Auf der einen Seite diese ganz offensichtliche, puristische Schönheit, diese Jugendhaftigkeit, so real und kraftvoll – auf der anderen Seite der verstörende gläserne Blick in die Unendlichkeit, die fast traurig wirkenden Gesichtszüge, die Fragilität und die immer wiederkehrende Gesichtsbemalung in all ihren vielfältigen Formen. Diese Portraits vereinen scheinbar unvereinbare Dinge: Schmerz existiert neben Wolllust und Genuss, visueller Fokus umrahmt mentale Unschärfe, wir erhalten Antworten auf Fragen, die nie gestellt wurden – oder viel zu selten gestellt werden. Die grossen Fragen nach dem, was sich nicht auf den ersten Blick erkennen läßt, die Fragen nach unserem echten Selbst und über den Umgang mit unseren Mitmenschen.

Laura arbeitet digital – 100% – und verbindet in einzigartiger Art und Weise Elitäres und Populäres, Wahrscheinliches und Unmögliches, Wirklichkeit und Mythos und passt dennoch kaum in die klassischen Schubladen unseres akademischen Kunstverständnisses. Und das ist gut so. In unserer Gegenwart voller Vielfalt und Möglichkeiten sind alle Stilformen in dialektischer Weise verfügbar geworden und die Vergangenheit konditioniert, belastet, erpresst uns eher, als dass sie wegweisende Richtungen für einen Fortschritt aufweist.

Ist Schwarz eine Farbe? Wenn man es mit dem Philosophen Ludwig Wittgenstein hält ist Schwarz nicht nur eine Farbe, sondern vielmehr viele Farben (…) Die Arbeiten von André HOOD1 Bernhard bekräftigen Wittgensteins Gedanken über die Farbe Schwarz. Sie zeichnen sich durch einen radikalen Minimalismus der Form aus, der mit der ebenso radikalen Begrenzung der Farbpalette gepaart ist. Ein ungeahnt weitgefächertes Spektrum von Schwarztönen wird in seinen Malereien und Reliefbildern abgebildet.

Die Malereien in Acryl auf Leinwand und auch die Reliefs aus Acrylglas überraschen durch die Reduktion der Formen, die in der Kombination der wenigen Elemente vielfältige Kompositionen erzeugen. Aus einem absoluten Formdenken heraus und mit der Verwendung von nur drei verschiedene Winkelmaßen. Diese werden gegeneinander verschoben und überlagern sich, wodurch Raumillusionen und Durchblicke entstehen. In den Acrylglas-Reliefs ist der Raum ein realer, die Bilder auf Leinwand dagegen spielen mit dem „als ob“. Sie erzeugen Räume und Tiefe, Licht und Schatten. Und dies alles aus dem Dunkel heraus. Damit stellen sie eine Grundüberzeugung auf den Kopf: Nämlich die über Jahrhunderte hinweg gültige Annahme, dass schwarze Flächen den illusionistischen Raum aufheben würden (…)

George Hambov, aka APESEVEN, ist ein in Sidney (Australien) lebender Künstler. Von der Skateboard-Szene der 90er Jahre inspiriert, entwickelt er über viele Jahre einen hybriden Stil aus Sprüh- und Acrylfarbe. George widmet einen Grossteil seiner Arbeit der Erforschung der Dimensionen zwischen Tod und Leben, zwischen Natur und Zivilisation, zwischen Kultur, Glaube (Götter und Dämonen) und Mythos sowie zwischen Magie und Realität.

NeCho. Reduktion, Minimalismus und Verzicht – bis vor gut 10 Jahren noch eher Synonyme für spirituelle Kontemplation oder gar antikapitalistische Konsumverweigerung – prägen als individuelles Statement seit geraumer Zeit nicht nur ein zeitgenössisches Selbstverständnis von Nachhaltigkeit und mehr Bewusstsein sondern bilden in nicht ganz unerheblichen Rahmen auch die Basis für den Umgang mit der Informations- und Optionsflut unser hyperkonnektiven Welt.

Daher verwundert es kaum, dass sich dieser Trend auch im kreativen Umgang mit unserem Alltag, unserem Leben und unserer Umwelt wiederfindet. Aber „weniger ist mehr“ kann und wird nie in vollem Umfang der Komplexität der Welt in der wir leben, gerecht. Die Frage, die sich daher im Zentrum dieses Wandels manifestiert, ist die Frage nach den Prinzipien unserer Wahrnehmung, nach der Funktionsweise unseres Gehirns und der Herkunft unserer Erkenntnis. Anthropologen und Soziologen sind sich seit langem sicher: wir reduzieren die Komplexität der Welt um uns herum in dem wir sie in Kategorien unterteilen, die dann als Raster für Sinnhaftigkeit, Handlungsweisen und vor allem, Überzeugungen herhalten müssen.

Diese Theorie der menschlichen Wahrnehmung bildet auch die Basis für die Arbeiten der bulgarisch-stämmigen Künstlerin NevCho. Der Vater berühmt als Schauspieler, die Mutter eine bekannte Balletdirektorin in Berlin, waren die Weichen für eine kreative Zukunft quasi schon in den Genen festgelegt (…)

Sergey Akramov ist ein junger russischer Künstler aus Jekaterienburg im Ural. Ganz im Gegensatz zur hinlänglich bekannten „melancholischen Seele des Russen“ strotzen Sergey’s Werke nur so vor Energie, Farben und Dynamik. Seine Arbeiten gleichen imaginären Collagen aus Erinnerungen, Erlebnissen, Symbolen und der unlimitierten Dimension des Unterbewusstseins, die sich in unzähligen Ebenen über einander aufstapeln und in atemberaubender Geschwindigkeit vor- und rückwärts ablaufen. Als Künstler hat Sergey die einzigartige Fähigkeit die „kognitive“ Pause-Taste zu bedienen und Momente in Farbe und Materie zu fassen und für uns zu reproduzieren, ohne dabei tatsächlich ein statisches Werk zu generieren. Zeit ist bekanntermassen relativ und in einer anderen Wirklichkeit sind Sergey’s Arbeiten möglicherweise endlos und nicht berührbar.

Greg Demont arbeitet als Designer und Künstler in Paris (Frankreich). Seit frühester Kindheit mit Comic- und Skateboardkultur verbunden, widmet er sich seit geraumer Zeit dem Subgenre des „Customizens“ („Nachbearbeitung, Individualisierung„) sogenannter Designer Toys. Diese Figuren spielen in grossen Teilen Asiens und den USA eine deutlich größerer Rolle am Kunstmarkt als in Europa und haben bereits einige Kunststars wie KAWS oder das deutsche Künstlerduo Coarse Toys hervorgebracht.