Veronika Spleiss

Der erste Blick auf die Gemälde der Künstlerin Veronika Spleiss, geb. 1993, eröffnet ein berauschendes Fest an Formen und Farben, dessen einzig zusammenfügendes Merkmal die schwarze Umrandung der Gemälde ist. Ihre Kunst bezieht sich stark auf die Extreme und zwischenmenschlichen Beziehungen, sowohl stilistisch als auch theoretisch. Spleiss repräsentiert ihre Motive oft abstrakt inmitten einer chaotischen Kulisse, was die „Unübersichtlichkeit unserer Zeit“ bedeutet. Ihre unverwechselbaren und unglaublich detaillierten Kompositionen entstehen aus Acryl auf Leinwand.

Ganz im Sinne Friedrich Nietzsches wird der Aspekt des Perspektivischen als die „Grundbedingung allen Lebens“ gezeigt (JGB, KSA 5, S. 12). Denn Leben umfasst ein Ganzes. Der Mensch selbst hat aber keinen Zugang zu diesem. Denn er ist immer an seine eigene Perspektive und Sichtweise auf die Welt gebunden, der eine gewisse eigene Ordnung innewohnt. Die Werke spielen mit diesen Aspekten. Mehr noch, die Künstlerin versucht Leben in ihren vielseitigen Perspektiven grafisch zu visualisieren. Für den Betrachter bedeutet dies in erster Linie Chaos – eine vermeintlich chaotische Zusammenfügung verschiedener Sichtweisen, die aus dem Schwarz beziehungsweise Nichts hervortreten. Jedes Teilchen, jede geometrische Form steht dabei für sich allein, nähert sich jedoch an die anderen Formen an und stellt so eine notwendige Verbindung her. 

Die Künstlerin verschriftlicht ihre Gedanken zu jedem Werk, die sich immer zu einer visuellen Geschichte zusammenfügen. Veronika Spleiss wurde für zwei Preise nominiert, den Renate Hendricks & Valentine Rothe Preis in Bonn und den YAS Award 2020 in Magdeburg. Ihre Werke wurden national sowie international in Deutschland, der Schweiz, USA und Italien ausgestellt. 

Werk „Schwankungsleben“

Das Werk „Schwankungsleben“, gemalt in Acryl gehört zur Serie „Lebensreihe“. Es beschreibt die sich wiederholenden Höhenflüge und Abstiege, die jeden Menschen in extremer oder minimierter Form begleiten. Diese Hürden müssen überwunden werden, um sein Leben weiterzuführen und weiterzugehen. Eine breite Schleife durchzieht sich durch das Werk von unten links nach oben rechts. Auf ihr gehen Figuren, die versuchen nicht zu fallen. Sie kämpfen sich trotz der Abstiege auf dem gewellten Weg immer wieder hoch. Doch hin und wieder passiert es, dass eine Figur ganz aus der Schleife fällt. Wenn sie Glück hat, fällt sie direkt in ein weißes Netz, das unter jedem Schleifenhügel unten rechts zu sehen ist. Ganz unten rechts sind drei Brückenpfeiler mit ausströmender Luft. Sie führen der schwankenden Schleife Luft zu, damit sie oberhalb der Stadt bleibt und nicht einknickt. Dort, wo die Schleife keine Luft erhält, fällt sie ab und die Figuren gleiten in einen Abstieg. Die Luft steht hier symbolisch für alles, was uns aufrechterhält und Kraft gibt.

Veronika Spleiss
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